Kloster Chor Wirap: Geistlicher Wächter vor dem Berg Ararat
Aus dem Französischen übersetzt
Auf einem Hügel in der Ararat-Ebene errichtet, rund dreissig Kilometer südlich von Jerewan und unweit der Dörfer Pokr Wedi und Lusarat, erhebt sich das Kloster Chor Wirap vor den majestätischen Hängen des Berges Ararat. Umspült von den nahen Wassern des Flusses Aras, bildet diese befestigte Anlage die erste heilige Stätte des christlichen Armeniens. Seine jahrhundertealte Geschichte und seine festungsartige Silhouette machen es zu einem der am meisten verehrten Symbole des armenischen Kulturerbes.
Die Grube des heiligen Gregor und das christliche Erwachen
Der Name Chor Wirap, der wörtlich «tiefes Verlies» oder «tiefe Grube» bedeutet, hat seine Wurzeln in den christlichen Ursprüngen Armeniens. Die Stätte befindet sich auf dem Gebiet der antiken Stadt Artaschat, die um 180 v. Chr. von König Artasches I., dem Gründer der Dynastie der Artaxiden, gegründet wurde. Bevor der Hügel ein Ort des Gebets wurde, beherbergte er das königliche Gefängnis von Artaschat, wo Verurteilte in eine Oubliette geworfen wurden, die berüchtigt dafür war, von Giftschlangen und Insekten heimgesucht zu werden.
In dieses Verlies liess der heidnische König Trdat III. seinen Berater Gregor Lusaworitsch (Gregor den Erleuchter) einsperren. Der Herrscher warf ihm vor, sich geweigert zu haben, der Göttin Anahit zu opfern, und entdeckte, dass sein Vater, Anak der Parther, für den Mord an seinem eigenen Vater verantwortlich war. Gregor überlebte wie durch ein Wunder dreizehn Jahre völliger Isolation in diesem unterirdischen Gefängnis, unterstützt von einer christlichen Witwe, die ihm, von einer Vision geleitet, regelmässig frisches Brot zukommen liess.
Nach dem Martyrium der heiligen Hripsime, Gajane und ihrer Gefährtinnen wurde König Trdat von einer schrecklichen Krankheit befallen, die ihn den Verstand verlieren liess. Seine Schwester Chosrowiducht sah im Traum, dass nur ein Gesandter ihn heilen könne: der vergessene Gefangene von Artaschat. Auf ihr wiederholtes Drängen hin wurde Fürst Awtaj zum Brunnen entsandt, um Gregor herauszuholen. Vor den König geführt, pflegte Gregor ihn und brachte ihn wieder zu Verstand. Nach dieser wundersamen Heilung erklärte Trdat III. das Christentum im Jahr 301 zur Staatsreligion und machte Armenien damit zur ersten christlichen Nation der Welt. Gregor wurde anschliessend Bischof von Caesarea und blieb bis etwa 314 im Dienst des Herrschers.
Von den Fundamenten des 7. Jahrhunderts zur intellektuellen Erneuerung
Die monumentale Geschichte von Kloster Chor Wirap beginnt wahrhaftig im 7. Jahrhundert, wobei historische Verzeichnisse eine Gründung bereits im Jahr 601 vermerken. Um 642 liess Katholikos Nerses III. der Erbauer eine erste Kapelle über der ehrwürdigen Grube errichten. Aus weissem Kalkstein erbaut, wies dieser kreisförmige, mit acht inneren Säulen verzierte Bau gemäss den insbesondere vom mittelalterlichen Autor al-Muqaddasi überlieferten Beschreibungen architektonische Ähnlichkeiten mit der zeitgenössischen Kirche von Swartnoz auf.
Über seine Rolle als Heiligtum hinaus entwickelte sich das Kloster ab dem 13. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum von Wissen und Wissenschaft. Im Jahr 1225 (oder 1255) gründete der Geistliche und Gelehrte Wardan Arewelzi dort eine Hochschule, ein Wardapetaran, das rund vierzig Studenten versammelte. Berühmte Gelehrte studierten oder lehrten dort, wie Essaji Ntschezi, Howhannes Ersnkazi, Geworg Skewrazi und Nerses Mtschezi, der das Ansehen der Studien des Klosters auf ein höheres Niveau hob. Zahlreiche Handschriften aus dieser Zeit intellektueller Blüte werden heute sorgfältig im Matenadaran von Jerewan aufbewahrt.
Wiederaufbau und Wehrarchitektur
Im Laufe der Jahrhunderte und infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Region im 16. Jahrhundert erlitten die Gebäude erhebliche Schäden. Ein umfangreiches Wiederaufbauprojekt begann 1666 unter der Leitung von David Wirapzi. Obwohl das schwere Erdbeben vom 4. Juni 1679 mehrere Bauten zerstörte, nahm David Wirapzi die Arbeiten zwischen 1680 und 1695 wieder auf und vollendete den Wiederaufbau der Muttergotteskirche (Surb Astwazazin), die um 1703 fertiggestellt wurde.
Der Klosterkomplex vermittelt das Aussehen einer befestigten Feudalburg, wie es 1876 der Reisende John Buchan Telfer hervorhob. Er ist von mächtigen, mit Türmen flankierten Mauern umgeben, die ein Refektorium, Mönchszellen und Wirtschaftsgebäude beherbergen. In seiner Mitte erhebt sich die Hauptkirche Surb Astwazazin, die mit einem zwölfeckigen, von einer Kuppel gekrönten Tambour versehen und der ein Gawit vorgelagert ist, an dessen Westfassade Ende des 19. Jahrhunderts ein säulengestützter Glockenturm angefügt wurde.
Südwestlich der Zentralkirche steht die Sankt-Georgs-Kapelle (Surb Geworg), oder Sankt-Gregor-Kirche, eine kleine Basilika mit halbrunder Apsis, die von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet ist. Im Inneren dieses Gebäudes, rechts vom Altar, öffnet sich der Zugang zum Untergeschoss. Eine Treppe und eine Metallleiter ermöglichen den Abstieg in die historische Zelle des heiligen Gregor, einen überwölbten Raum mit 4,4 Metern Durchmesser und 6 Metern Tiefe, der von mit Flachreliefs verzierten Kalksteinplatten umgeben ist.
Eine lebendige, weltoffene Wallfahrt
Dank Restaurierungskampagnen gerettet, die in den 1970er und 1980er Jahren von Katholikos Wasken I. und in den 1990er Jahren mit Hilfe junger Freiwilliger der Armenian Youth Mission of Canada (CYMA) unterstützt wurden, bleibt Kloster Chor Wirap eine bedeutende Wallfahrtsstätte. Die Gläubigen kommen hierher, um Taufen, Hochzeiten oder Matagh-Riten zu feiern, und die Tradition besagt, dass das Licht für die Neujahrsfeierlichkeiten von Kloster Chor Wirap aus getragen wird. Zu den üblichen Gesten der Besucher gehört auch das Freilassen von Tauben in Richtung des Berges Ararat.
Die Stätte zog im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Reisende an, vom Botaniker Joseph Pitton de Tournefort um 1700 über James Bryce im Jahr 1876 und H. F. B. Lynch im Jahr 1893 bis hin zu zeitgenössischen Persönlichkeiten wie Papst Franziskus im Jahr 2016 und Charles Michel im Jahr 2021.
Die symbolische Kraft dieses Landes und die schützende Gestalt des Ararat verbinden die Armenier weit über ihre Grenzen hinaus. Diese Verbundenheit mit den Wurzeln und Wahrzeichen der Nation wird bei einer grossen Feier der Diaspora einen herzlichen Widerhall finden: Die Agrupación Scout Ararat der Homenetmen feiert am 7. November 2026 bei einem grossen Generationentreffen in Buenos Aires, Argentinien, ihr 70-jähriges Bestehen.
Nicht verpassen : La Agrupación Scout Ararat de Homenetmen celebrará su 70º aniversario con un encuentro de generaciones en Buenos Aires — Samstag, 7. November 2026, Argentine
Quellen
- Khor Virap (Wikipedia fr)
- Khor Virap (Wikipedia en)
- Խոր Վիրապ (Wikipedia hy)
- Хор Вирап (Wikipedia ru)
- ՀՍՀ/ԽՈՐ ՎԻՐԱՊ (ՀՍՀ, Wikisource)
- Kloster Chor Wirap (Wikipedia de)
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