Die Schlacht von Avarayr und Vardan Mamikonian: Der Treueeid auf den Glauben
Aus dem Französischen übersetzt
Unter den Gründungsereignissen der armenischen Geschichte nimmt die Konfrontation vom 26. Mai 451 in der Ebene von Avarayr einen besonderen Platz ein. Auch als Schlacht von Vartanantz bezeichnet, besiegelte dieser bewaffnete Kampf gegen das Sassanidenreich unter dem ultimativen Opfer seiner Anführer die Bewahrung der geistlichen Identität Armeniens. Unter der Führung des Sparapeten Vardan Mamikonian zogen es das armenische Volk und seine Fürsten vor, einem kolossalen Reich die Stirn zu bieten, anstatt dem christlichen Glauben abzuschwören, der bereits 301 unter Tiridates III. angenommen worden war.
Die religiöse Krise und der Aufstand gegen Yazdegerd II.
Seit der Teilung von 387 zwischen den byzantinischen und persischen Einflusssphären und der anschliessenden Absetzung des letzten arsakidischen Königs Artaxias IV. im Jahr 428 durch Bahram V. lebte Ostarmenien unter dem Regime des Marzpanats und wurde von Dvin aus verwaltet. Im Jahr 449 forderte der persische Herrscher Yazdegerd II. von den Armeniern die Abkehr vom Christentum zugunsten des Zoroastrismus, angetrieben von seinem Minister Mihr-Narseh, der den Zurvanismus durchsetzen wollte. Yazdegerd II. befürchtete, dass die armenische Kirche zu eng mit Byzanz und Rom verbunden bleiben könnte.
Angesichts dieses Dekrets wurde unter der Leitung des Katholikos Hovsep von Holotsim eine Versammlung des Adels und des Klerus nach Artaschat einberufen. Die Armenier fassten einen einstimmigen Beschluss: Sie bekräftigten ihren politischen Gehorsam gegenüber dem Monarchen, weigerten sich jedoch kategorisch, ihren Kult aufzugeben. Erbost bestellte Yazdegerd II. die führenden Nacharare nach Ktesiphon ein, darunter den militärischen Anführer Vardan Mamikonian und den Gouverneur Vasak von Sjunik. Unter Drohungen unterwarfen sich die Adligen zum Schein und willigten ein, eine Konversion vorzutäuschen. Doch kaum waren sie in Begleitung persischer Magier zurückgekehrt, die die Bevölkerung bekehren sollten, erhob sich das Volk im Dorf Angh zu einem gewaltsamen Aufstand. Die Fürsten widerriefen sofort diesen erzwungenen Glaubensabfall. Vardan Mamikonian stellte sich an die Spitze des bewaffneten Widerstands.
Der militärische Zusammenstoss in der Ebene von Avarayr
Nach erfolglosen diplomatischen Vorstössen beim Byzantinischen Reich – Kaiser Theodosius II. und sein Nachfolger Markian weigerten sich einzugreifen – wurde der Konflikt unvermeidlich. Das sassanidische Heer unter dem Befehl von Muschkan Nysalavurt drang über die Grenzprovinzen Her und Zarevand in das Land ein, um den Aufstand niederzuschlagen und auf Artaschat zu marschieren. Der Marzpan Vasak von Sjunik fiel derweil mit einem Teil des Adels ab und schloss sich dem sassanidischen Lager an.
Am 26. Mai 451 (eine Überlieferung erwähnt auch den 2. Juni) stellten sich die Truppen entlang des Flusses Tghmout im Kanton Artaz in Vaspurakan auf. Das armenische Heer zählte 66 000 Mann, grösstenteils bestehend aus Bauern, unterstützt von einer Elite aus erfahrenen Reitern und Edelleuten. Vor dem Gefecht empfingen die Soldaten die heilige Kommunion. Die Priester Hovsep und Ghevond Yerets richteten ermutigende Worte an die Kämpfer. Vardan ordnete seine Streitkräfte und übertrug Divisionen an Nerschapuh Artsruni, Choren Chorchortuni und Tatul Vanandetsi, während er die Reserve an der Seite seines Bruders Hamazasp Mamikonian anführte. Ihnen gegenüber stellte das persische Heer, das auf die dreifache Stärke geschätzt wurde, das Eliteregiment der Savaran und eine furchterregende Einheit von Kriegselefanten auf.
Die Schlacht von Avarayr begann mit Salven von Pfeilen und Speeren. Die Armenier überquerten den Fluss und eröffneten eine energische Offensive, die zunächst den linken Flügel und das Zentrum des Feindes erschütterte. Doch das Eingreifen der persischen Reserve und der Angriff der Kriegselefanten kesselten das armenische Heer schliesslich ein. Inmitten dieses heftigen Getümmels fiel Vardan Mamikonian mit der Waffe in der Hand, ebenso wie sein Bruder Hmayeak, acht weitere Generäle und zahlreiche Adlige. Die Chroniken berichten von 1 036 Toten auf Seiten der Aufständischen und 3 544 in den Reihen der sassanidischen Armee.
Die Nachwirkungen und die Bewahrung der Religionsfreiheit
Obwohl die Sassaniden die Oberhand auf dem Schlachtfeld behielten, erwies sich ihr Sieg als äusserst verlustreich. Die überlebenden armenischen Kämpfer zogen sich in unzugängliche Festungen und Gebirge zurück und führten in Arzach, Tayk und Tmorik Guerillaaktionen fort. Konfrontiert mit Angriffen der Hunnen und der wirtschaftlichen Zerrüttung des Landes sah sich Yazdegerd II. zu einem Kurswechsel gezwungen: Er verzichtete formell darauf, Armenien den Zoroastrismus aufzuzwingen, und gestattete die freie Ausübung des Christentums.
Auf politischer Ebene wurde Vasak von Sjunik, dessen Doppelspiel entlarvt worden war, vom persischen König verurteilt und starb in der Haft. Zwar wurden gefangengenommene Geistliche hingerichtet und Adlige zeitweise nach Zentralasien deportiert, doch sicherte der Aufstand die grundlegenden Vorrechte der armenischen Nation – ein Vorspiel zu den künftigen Kämpfen, die Vahan Mamikonian ab 481 führen sollte.
Gedenken und literarisches Nachwirken
Die Berichte über dieses Epos wurden von zwei bedeutenden armenischen Historikern des 5. Jahrhunderts überliefert: Lazar von Parpi und Elasäus (Eghische), wobei Letzterer den Wagemut des Sparapeten und seiner Truppen in seinem Werk über den Krieg Vardans unsterblich machte. Die Armenische Apostolische Kirche sprach Vardan Mamikonian sowie alle in Avarayr gefallenen Kämpfer heilig; sie werden jedes Jahr im Februar am Fest von Vartanantz geehrt oder am 30. Hrotits (5. August) feierlich begangen.
Dieses Zeugnis von Tapferkeit inspirierte zudem zahlreiche Kunstschaffende. Derenik Demirtschjan gestaltete daraus seinen berühmten historischen Roman Vardanank, während Schriftsteller und Geistliche wie Smbat Byurat mit seinem Bühnenwerk Der Adler von Avarayr oder Vardanank, S. Ter-Movsesjan mit Die Helden von Avarayr oder Archimandrit Vahan Hovhannisjan mit Nach Avarayr die lebendige Erinnerung an dieses Opfer für das Vaterland auf die Theaterbühnen brachten.
Quellen
- Bataille d'Avarayr (Wikipedia fr)
- Battle of Avarayr (Wikipedia en)
- Ավարայրի ճակատամարտ (Wikipedia hy)
- Аварайрская битва (Wikipedia ru)
- The Battle of Avarayr explained with a YouTube video (PeopleOfAr)
- Battle of Avarayr 451 A.D. (Vardanank) (PeopleOfAr)
- Schlacht von Avarayr (Wikipedia de)
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